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Eine ganz besondere Rückrufaktion

pkws.net macht immer Spaß, ist stets auf der such nach schnellen sowie gleichermaßen faszinierenden Autos und soll Ihnen als Wissensfundus, innerlichem Spielplatz und kleiner Gedankenpause dienen. Manch ein Thema ist jedoch derart brisant, dass wir – auch wenn es sich dabei nicht um erfreuliche Themen handelt – berichten müssen. Am Rande des Highways ist uns folgendes aufgefallen:

Von Ruckrufaktionen bleiben viele Hersteller nicht verschont: Toyota, BMW, Audi aber auch Premiumhersteller wie Porsche bitten die Kunden hin und wieder in die Werkstätten, um einstmals eingeschlichene Fehler schnellstmöglich zu bereinigen. Kunden können zu diesem Zeitpunkt damit rechnen, dass sie bis zu ein paar Stunden von Ihrem Liebling auf vier Rädern getrennt werden.
Was aber, wenn aus einer zeitweiligen Trennung eine potenzielle Trennung für immer wird? So und nicht anders geht es mehr als 500.000 US-amerikanischen Fahrzeugbesitzern eines Fahrzeugs des Konzerns Fiat-Chrysler. Das „Worst-Case-Szenario“ hat einen neuen Namen: „Rückkauf statt Rückruf“.

Image-Problem oder Rechtfertigungsgrund?

Nicht nur einen monetären Schaden, sondern vielmehr eine enorme Schädigung des eigenen Marken-Images erfuhr der Automobilkonzern Fiat-Chrysler in diesen Tagen. Dessen Autos sind nun offiziell als „unsicher“ eingestuft und müssen daher schnellstmöglich runter von der Straße – aber bitte mit Nachdruck. Dies urteilte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA.

Die Strafe für den festgestellten, nicht straßentauglichen Zustand der Fahrzeuge erbrachte wahre Rekordsummen: Stolze 105 Millionen Dollar Strafe inklusive einer dreijährigen, bundesstaatlichen Aufsicht erwartet den Konzern nun. Der Grund für eine derart hoch gewählte Zurechtweisung besteht ganz deutlich in der Missachtung der Grundregularien für Rückrufaktionen. Innerhalb mehrerer Jahre gab es im Konzern 23 Rückrufe für mehr als 11 Millionen Fahrzeuge. Dabei konnten die einst zum Rückruf führenden, festgestellten Mängel nie behoben werden. Die Fahrzeuge blieben mangelhaft und eine potenzielle Gefahr für den öffentlichen Straßenverkehr.

SUVs und Pick-ups fehlerbehaftet

Hauptsächlich betraf diese Aktion Pick-Ups der Baureihe RAM aus den Jahren 2003 bis 2012, das bislang wichtigste Modell des Konzerns in Amerika. Bereits 2011 rief Chrysler seine 1,2 Millionen Lastenesel in die Werkstatt, um Spurspangen, die im Verdacht waren zu brechen, gegen stabilere Pendants auszutauschen. Die Gefahr: Fahrer könnten die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Ähnliche Probleme wiesen ebenfalls die Modelle Aspen, Dakota und Durango auf.

Der Fehlerteufel schlich sich jedoch nicht nur in die oben bezeichneten Modelle ein, auch der Jeep Liberty sowie der Grand Cherokee waren von Fehlern nicht ausgenommen. Bei einem Auffahrunfall könnte sich der im Heck befindliche Tank entzünden und explodieren. Die NHTSA forderte den Konzern bereits 2013 zum Rückruf auf, wogegen sich Chrysler vehement wehrte. Das Ergebnis des Verzugs: Laut „Los Angeles Times“ starben bei Unfällen mit derartigem Hergang 75 Menschen.

Die Lenkungsprobleme des RAMs sollen 32 Unfälle und einen Tod verursacht haben.

In späteren Jahren sollte die Installation einer Anhängerkupplung als Rückrufmaßnahme beschlossen werden, dessen Maßnahmen nicht konkret verfolgt wurden. Im November 2014 ermahnte die NHTSA sodann den Fiat-Chef Sergio Marchionne höchstpersönlich – er gelobte Besserung. Bis heute halten sich seine Mühen jedoch dezent im Hintergrund.

Getroffene Konzern-Maßnahmen

Die Reaktion seitens Chrysler: Es wurde eingewilligt, 578.000 Trucks ZURÜCKZUKAUFEN. Anbei gab Chrysler zu, die Rückrufe nicht rasch genug bearbeitet zu haben. Schließlich gab es Kunden, die mehr als 18 Monate auf die Reparatur ihres Lastenesels warten mussten.

Gemäß den „Detroit News“ muss Fiat-Chrysler den gepeinigten RAM-Besitzern den Verkaufspreis abzüglich „eines angemessenen Betrages für Wertminderung“ zahlen. Der Konzern könnte die Fahrzeuge sodann instand setzen und repariert wiederverkaufen.
Das statuierte Exempel

Peinlich und teuer – so oder so ähnlich dürfte sich der Tenor dieser Maßnahmen gestalten. Die Rekordstrafe von 105 Millionen Dollar wurde im Übrigen von der NHSTA verhängt und besteht aus mehreren Teilstrafen:

70 Millionen Dollar für das nachlässige Durchführen der Rückrufe

20 Millionen Dollar zur Investition in die Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen

15 Millionen Dollar falls der Konzern die versprochenen Maßnahmen nicht einhält

Das Autoszene-Fazit

Angesichts der bezifferten Schäden, der getroffenen Strafen und der Unfallfolgen sollte es uns zu denken geben, welchem Autohersteller wir in Zukunft unser Vertrauen schenken. Dass ein so großer Konzern, der seinen Gewinn hauptsächlich im Vertrieb von Nutzfahrzeugen generiert, nicht in der Lage ist, seine Kunden aufgrund eigens verschuldeter Produktionsfehler zu schützen, ist reiner Wahnsinn und ist mit den Worten „Nachlässigkeit“, „Ignoranz“ und „Faulheit“ kaum zu beschreiben.

Die Vorwürfe wiegen schwer, weshalb es für Fiat-Chrysler an der Zeit ist, mit dem Vergangenen aufzuräumen und zu zeigen, aus was für einem Holz er geschnitzt ist.

Inwiefern eine strafrechtliche Verfolgung im Sinne eines Unterlassungs- oder Fahrlässigkeitsdelikts seitens der Konzernspitze einschlägig ist, vermögen wir zu diesem Zeitpunkt nicht zu klären. In diese Richtung gibt es mit Sicherheit jedoch einiges zu erwarten. pkws.net bleibt für Sie am Puls des Geschehens!

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