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Corvette C7 Stingray – die Stimme Amerikas

Ein Sportwagen mit Geschichte – das wär mal wieder was. Etwas, das sich mit Hubraum und Sound mit Gänsehaut-Faktor aus der Masse des deutschen Autobahn-Einheitsbreies erhebt und ein Redakteursherz dazu bringt, den Taktschlag bei Vollgas ins Unermessliche zu treiben. Ein richtiger Big-Burger, kein diätbetonter, ökologisch angebauter Feldsalat – ich möchte doppelt Fleisch, extra Käse und so wenig Salat wie möglich – vielleicht sogar zum Knallerpreis?

Und da steht Sie – das Wirklichkeit gewordene Gebet an die Automobilindustrie: die Corvette C7 Stingray. Mit langer Haube, Lufteinlässen, vier Endrohren und auf dem Boden geduckt kauernd mit einer Gesamthöhe von 1,24m wartet das rote Biest auf seinen Bändiger. Die Tür öffnet sich – ich setze mich hinein und erkenne, dass die Materialanmutung deutlich wertiger ist als im Vorgänger C6. Wo einst eine Plastiklandschaft zu finden war, springen dem Fahrer nun Carbon, Aluminium und Leder ins Auge. Das Platzangebot ist ausreichend, die Leichtbau-Sportsitze passen perfekt und geben genügend Seitenhalt für ein paar schnelle Runden. Amerikanischer Charme lauert daher nur im Detail – dünnes Leder und grobe Übergänge verhindern den Vergleich mit dem Interieur deutscher Sportwagen, das stört auch nicht.

Darum geht es bei diesem Wagen schließlich nicht. Ich wende mich also ab und erwecke den 6,2-Liter-V8 mit einem Knopfdruck zum Leben, untermalt vom Wackeln der Karosserie und dem Fauchen der Abgasanlage. Keine Spur von Laufruhe oder Understatement – so wollte ich es! Die digitale Drehzahlnadel verrät mir beim Druck aufs Gaspedal, wann ich gezwungen bin, in den nächst höheren Gang zu schalten, während das Heck langsam leicht zu werden scheint – kein Wunder, steht doch der Fahrmodi-Schalter auf „Track“ – alle Hilfsprogramme wurden somit zum Teufel gejagt. Wer es ruhiger angehen möchte, kann aus den Modi „Wetter“, „Eco“, „Tour“ oder „Sport“ wählen. Ich schalte also in den zweiten Gang und erreiche die 100km/h-Marke nach 4,2 Sekunden Vollgasorgie – fantastisch, wie die 466 Pferde der Vette da vor mir zum Galopp antraben. Die vom Werk angegebenen 300 km/h Höchstgeschwindigkeit kaufe ich dem Hersteller, angesichts der Arbeit meiner Bauchmuskulatur während der Beschleunigungsorgie, ungefragt ab.

In Kurvenfahrten wirkt sie beherrschbar, das Fahrwerk ist straff und gibt genügend Rückmeldung an den Fahrer – der amerikanische, ungestüme Charakter bleibt jedoch erhalten – der Fahrer kann aber selbst entscheiden, wie viel Gewalt er da über sich ergehen lassen möchte. Es gibt eines, von dem ich leider weniger überzeugt bin – die Siebengang-Handschaltung. Beim Sortieren der Gänge kommt man dann doch mal durcheinander, besonders der fünfte Gang ist zu lang übersetzt – oder ist das nur Gewöhnungssache?

Die europäische Version der Corvette C7 kommt mit dem sog. „Z51-Paket“. Es beinhaltet eine optimierte Aerodynamik und ein für hiesige Straßen angepasstes Fahrwerk sowie eine verbesserte Kühlung. Doch was bezahlt man für diesen Big Burger? Der Einstieg beginnt bei 69.990€ – betrachtet man das dafür Gebotene, wagt man, von einem günstigen Preis zu reden. Ein Porsche 911 S kostet mit 400 PS immerhin knappe 105.000€. Was meinen Sie?

Fahrzeugdaten Corvette C7 Stingray
Motor: 8 Zylinder, V
Hubraum: 6.162 Kubikzentimeter
Leistung: 466PS bei 6000 U/min
Max. Drehmoment: 610 Nm
0-100km/h: 4,2 sek
Getriebe: 7-Gang-Handschaltung
Vmax: 300 + km/h
Leergewicht: 1.539 kg
Neupreis: 69.990 €

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